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Donnerstag, 04.06.2009

Und schon wieder ging mehr als ein Monat ins Land, bevor ich dieses Blog mal wieder mit einer Aktualisierung beglücke. Aber worüber könnte ich heute bloß reden? Ich glaube, das Thema Webradio ist derzeit mal wieder aktuell bei mir. Diesmal aber keine Hetze gegen die Gema, obwohl das irgendwie zwingen damit zusammenhängt. :-) Aaalso:

Bevor ich euch erzähle, was ich derzeit so treibe, berichte ich euch mal von den Schwierigkeiten, das perfekte Webradio auf die Beine zu stellen. Nicht, dass ich sie habe oder gehabt hätte, andere Webradios scheinen sie jedoch zu haben. Zumindest, wenn man sich in diversen Diskussionsforen die Webradio-Vorstellungen und deren, nun sagen wir mal, kritische Kommentare hierzu durchliest.

Es fängt schon bei der Homepage an. Logisch, ein Webradio braucht einen Internet-Auftritt, um auch Hörer anzulocken. Doch hier sind die Geister gespalten. Dem einen gefällt es bunt, der andere mag es schlicht. Und wieder andere regen sich darüber auf, wenn sich keines dieser Webradios die Mühe macht, eine eigene Homepage zu programmieren, sondern lediglich auf fertige Lösungen wie PHP-Fusion zurückgreift. Eine Fließband-Homepage halt, was zugegeben ja nicht mal übertrieben ist. Ach ja, die Rechtschreibung wäre da natürlich nicht zu vergessen. Die reicht von sehr gut bis zu einem Zustand, der mit "sehr schlecht" wohl nicht mehr zu bezeichnen wäre.

Wurde die Homepage, ohne in das Radio überhaupt mal hineinzuhören, erst einmal durch die Mangel genommen, dann geht es dem Betreiber rechtlich an den Kragen. Da gibt es Möchtegern-Internetpolizisten, die, ebenfalls wieder ohne in das Radio hineinzuhören, erstmal anfragen, ob denn die Verwertungsgesellschaften auch ihr Geld bekommen. Wenn sie dann möglicherweise herausgefunden haben, dass dem nicht so ist und die Homepage zudem noch irgendwelche Inhalte aufweist, die dort besser nicht sein sollten... oh je, na dann ist Polen offen. Dann wird gleich mit Anzeige gedroht - nicht nur bei Gema, GVL und Co, sondern gleich noch bei der Polizei, weil ja diese Webradios sowieso pauschal mit Raubkopierter Musik auf Sendung sind.

Sollte ein Webradio diese beiden Punkte halbwegs ohne Haudrauf-Kommentare überstanden haben, geht es nun endlich an das eigentliche Radioprogramm. Doch hier scheitern selbst jene Radios, die sich bei der Homepage große Mühe gegeben haben und auch rechtmäßig ihre Beiträge für die ach-so-armen Künstler an die VGs blechen:

  • Wird nur Musik eines oder zweier Genres gespielt, ist es zu eintönig. Wird die komplette Bandbreite abgedeckt, dann sind es zu viele Genres auf einmal.
  • Wenn die Sprecher ohrenscheinlich keine Profi-Ausbildung gemacht haben, mit starkem Dialekt sprechen oder mal nicht immer deutlich rüberkommen, ist es ja sowieso ein Grund zum weghören.
  • Gleiches gilt, wenn nur mit Headset und Winamp gesendet wird, völlig gleichgültig ob es ebenso gut klingt wie mit einer Profi-Ausrüstung.
  • Und wer unter 18 Jahre alt ist, hat in Webradio-Kreisen sowieso verschissen, sollte er sich einer "Vorstellung" seines Radios erdreisten.
  • Denn "just for fun" senden? Auweia, das ist ja fast schon eine Beleidigung an dieses Medium!

Ihr lest, wer erfolgreich sein will muss leiden. Natürlich gibt es Dinge, die man beim Betrieb eines Webradios mehr oder weniger zwingend beachten sollte. Doch wenn ich derartige Haarspaltereien lesen muss, die wirklich nicht übertrieben formuliert sind, sollte sich niemand wirklich wundern, warum die Kulturvielfalt immer mehr den Bach hinuntergeht. Jene Webradios, die ihr Programm angeblich professionell ins Netz senden, unterscheiden sich doch eigentlich kaum von terrestrischen Formatradios. Sicher, es werden alle Genres bedient. Dance, Schlager, Pop, Rock, Metal, jeder findet bestimmt seinen Lieblingssender. Doch es ist dann nur noch kultureller Stillstand. Denn wie soll man die Musik anderer Genres zu schätzen lernen, wenn einem der Lieblingssender immer nur die 500 bis 1000 Titel seiner Rotation um die Ohren haut? Wenn sich schon die UKW-Hitradios nicht trauen, an ihrem Format herumzubasteln, dann sollten doch wenigstens die nichtkommerziellen Webradios eine letzte Bastion gegen die Schubladen-Musik dieser Zeit sein und auch mal experimentieren dürfen. Drum kann ich jeden selbsternannten Kritiker eigentlich nur darum bitten, vor dem Verfassen von Hasspostings in Webforen mal ein wenig nachzudenken, ob eine konstruktive Kritik, die sich auf das Wesentliche beschränkt, nicht angebrachter wäre, anstatt seinen persönlichen Geschmack (wenn er denn als solches bezeichnet werden kann) regelrecht in die Welt zu kotzen.

Andererseits ist es schwer, konstruktive Kritik losgelöst vom persönlichen Geschmack zu betreiben. Doch gerade bei der Musik sollte man nicht stur auf seinen Lieblingsgenres beharren, sondern ruhig mal über den Tellerrand hinaus hören. Was nun die Homepage oder die technische Umsetzung eines Webradios angeht, da sollte ein Betreiber durchaus auf konstruktive Kritik hören. Wohlgemerkt konstruktive Kritik und keine Kommentare la "Och, schon wieder so ein 0815-Radio!" Und er sollte an seine Technik zumindest annähernd den Qualitätsanspruch stellen, wie er ihn auch bei anderen Webradios hört. Etwas, das mittlerweile schon für relativ kleines Geld zu haben ist. Wer sich in Beratungsresistenz übt und der Meinung ist, ihm wäre eine miese Qualität egal, der belügt sich selbst.

Um noch mal auf das Thema Musik zurückzukommen: "Aber so einen Scheiß will doch niemand hören." Diesen Spruch bekam ich noch vor ein paar Monaten von jemandem serviert, als ich mit ihm im Chat über das Thema freie Musik diskutiert habe. Ich war dann aber sehr erstaunt, als er dann nur wenige Wochen später einen eigenen Radiosender aufmachte, der eben jene Musik spielt, die doch als Elektronikgeschrabbel und unharmonisch so verpönt ist. Ihr seht, man muss die Ohren nur mal ein bisschen weiter öffnen. Mittlerweile höre ich leise, ruhige Musik manchmal ebenso gern wie düsterste Metal-Klänge oder harte Technobeats. Warum sollte es also nicht möglich sein, all diese Musik in einen einzigen Sender zu packen? Ich finde, man hat dabei nichts zu verlieren. Es ist nur wichtig, die Musikauswahl zu einem möglichst harmonischen Klangbild zu verarbeiten, also nicht unbedingt Mozart und ACDC hintereinander spielen. :-) Aus eigener Erfahrung bei Powerradio4u, das momentan leider nicht öffentlich zugänglich ist, kann ich das nur bestätigen. Meine Musikauswahl ist manchmal wirklich sehr abenteuerlich, doch ich bekomme durchweg positive Kritik. Nicht allein deshalb, weil ich die altmodische Auffassung vertrete, dass DJs noch Moderatoren heißen und schon etwas mehr tun sollten, als nur die Titel anzusagen.

Nun habe ich jedoch die Gelegenheit, meinen Zuhörerkreis mal wieder etwas zu erweitern. Dann wird sich zeigen, ob ich auch außerhalb meines Freundeskreises, in dem die negative Kritik ja ohnehin wohl eher selten zu finden ist, meinen "Musikgeschmack" unter die Hörer bringen kann. Super-Party-Radio und Blue World Radio sind erledigt, jetzt Versuche ich mein Glück mal bei Blindzeln Radio (Homepage noch nicht komplett online). Die Eröffnungssendung fand bereits am vergangenen Montag statt und war ein voller Erfolg. Von den 50 möglichen Hörern, die der Stream aufnehmen kann, waren zeitweise bis zu 46 Hörer online! Da wird mir irgendwie ganz anders, wenn ich demnächst jeden Mittwoch ab 20:00 Uhr eine Sendung zum Thema freie Musik gestalten werde. :-) Und voraussichtlich gibt es auch jeden Freitag ab 20:00 Uhr eine Sendung mit "normaler" Musik, die ich allerdings alle zwei Wochen im Wechsel mit Alex moderieren werde. Wir haben allerdings noch mit technischen Problemen zu kämpfen, die jedoch hoffendlich bald behoben sein werden. Zum Glück muss Blindzeln Radio nicht mehr großartig Werbung für sich machen so wie es scheint. Und falls doch, dann mit Sicherheit nicht in Webradio-Foren voller Möchtegern-Profis!

Also, wir hören uns demnächst!
Gruß Steffen

04.06.2009. 16:24

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